Die Schweiz gilt als ordentlich, gepflegt und durchsaniert, doch zwischen Genfersee und Engadin steht eine erstaunliche Zahl verlassener Orte: aufgegebene Sanatorien aus der grossen Tuberkulose-Ära, Berghotels, die der Tunnelbau vom Verkehr abschnitt, eine stillgelegte Zellulosefabrik an der Aare und ein militärisches Sperrgebiet, das nach einer Explosion von 1947 bis heute geräumt wird. Vom Sanatorio del Gottardo über dem Tessiner Dorf Piotta bis zum Hotel Belvédère an der Furka, bekannt aus dem James-Bond-Film Goldfinger von 1964, zieht sich eine eigene Topografie des Verfalls durch alle Sprachregionen. Auf unserer Karte sind 1.883 Schweizer Spots geolokalisiert, verteilt über die Kantone von Tessin (791) bis Wallis (131).
Das Wichtigste in Kürze: Dieser Pillar listet die 10 bekanntesten Lost Places der Schweiz, je einen pro Kanton, geordnet nach visueller Wucht und historischer Bedeutung. Jeder Ort ist real, datiert und mit Quelle belegt. Unter jedem Eintrag liegt ein Gratis-Spot aus unserer Karte: ein Knopf Zur Karte hinzufügen legt die GPS-Koordinaten ohne Kreditkarte und ohne Abo in dein persönliches Profil.
Die Begriffe Lost Places Schweiz, verlassene Orte Schweiz, urbex Schweiz und Lost Places Karte meinen alle dasselbe: Gebäude, die niemand mehr nutzt und die langsam von Natur und Zeit zurückerobert werden. Lost places schweiz wird in der Schweiz rund 1.300-mal pro Monat gegoogelt, der Zusatz karte kommt auf weitere Hunderte Anfragen. Genau diese Karte liefern wir.
Interaktive Karte aller Schweizer Lost Places ansehen
Wer den Schweizer Bestand mit dem Rest Europas vergleichen will, findet bei uns eigene Pillar zu den Lost Places in Deutschland, zu den Lost Places in Italien und zu den verlassenen Orten in Tschechien.
Urbex Schweiz gratis: warum Urbex Maps den Unterschied macht
Die meisten Lost Places-Listen im Netz versprechen im Titel Gratis-Koordinaten und leiten dann auf ein Forum, eine Facebook-Gruppe oder einen Bezahlbereich für 50 Franken weiter. Wir machen es anders. Unter jedem der zehn Orte steht ein echter Spot aus unserer Datenbank mit einem Knopf, der die Koordinaten kostenlos in dein Profil legt. Kein Abo, keine Kreditkarte, keine versteckte Bedingung.
Dahinter steht ein Prüfmodell. Eine Community von über 40.000 Explorerinnen und Explorern trägt seit 2021 Standorte zusammen, und jede Koordinate wird mindestens zweimal kontrolliert: einmal von der Person, die den Spot meldet, und einmal von einer regionalen Moderation, die bestätigt, dass der Ort noch existiert und zugänglich ist. Die zehn hier verschenkten Spots sind Teil dieses Katalogs. Der Rest, die rund 1.880 weiteren Schweizer Standorte, ist über thematische Pakete erreichbar, die die Moderation finanzieren.
Geordnet ist diese Liste nach visueller Wucht und historischem Gewicht. Wir eröffnen mit dem Sanatorio del Gottardo, der wohl meistfotografierten Schweizer Ruine, und schliessen mit dem Munitionslager Mitholz, dem schwersten und am strengsten gesperrten Ort des Landes. Zu jedem Kanton führt ein Link auf die passende Regionalkarte.
Warum manche berühmte Schweizer Lost Places hier fehlen
Wer verlassene Orte Schweiz googelt, stösst schnell auf Namen, die keine Lost Places mehr sind. Die Schatzalp über Davos zum Beispiel, oft als Geisterhotel verkauft, ist in Wahrheit ein laufendes Vier-Sterne-Hotel und das Vorbild für Thomas Manns Zauberberg. Sie gehört nicht auf eine Urbex-Liste.
Die Raffinerie Collombey im Wallis, jahrelang ein Wahrzeichen industrieller Verlassenheit, ist seit Mai 2026 Geschichte: Die beiden rund 100 Meter hohen Schornsteine wurden am 21. Mai 2026 gesprengt, das Gelände wird neu überbaut. Wer dorthin fährt, findet eine leere Fläche. Und das oft genannte Sanatorium am Mont-Pèlerin über Vevey existiert als verlassene Ruine schlicht nicht: Die realen Gebäude dort sind ein aktives Pflegeheim und ein zum Luxusresort umgebautes Palasthotel. Diese drei Beispiele zeigen, warum wir hart filtern. Was folgt, sind zehn Orte, die 2026 wirklich noch stehen und verfallen.
1. Tessin: Sanatorio del Gottardo, die meistfotografierte Ruine der Schweiz

Foto: Wendelin Jacober, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
Das Sanatorio del Gottardo ist ein verlassenes Tuberkulose-Sanatorium über Piotta im Tessin, erbaut 1903 bis 1905 und seit 1962 leer. Es gilt als die meistfotografierte Ruine der Schweiz.
Hoch über dem Dorf Piotta in der Leventina, auf rund 1.160 Metern in der Gemeinde Quinto, steht der bekannteste Lost Place der Schweiz: das Sanatorio del Gottardo, ursprünglich Sanatorio Popolare Cantonale. Erbaut zwischen 1903 und 1905, diente der mächtige Bau nach dem Ersten Weltkrieg als Militärspital und ab 1921 als kantonales Tuberkulose-Sanatorium. Die Höhenlage, die klare Bergluft und die Sonne der Leventina galten damals als beste verfügbare Therapie gegen die Schwindsucht.
Mit dem Aufkommen wirksamer Antibiotika verlor die Höhenkur ihren Sinn. 1962 wurde das Sanatorium aufgegeben, seither steht es leer, über sechzig Jahre. Die langen Korridore, die vergilbten Kacheln, die leeren Liegehallen mit Blick auf die Gotthardbahn machen den Bau zu einem Wallfahrtsort der europäischen Urbex-Szene. 2016 verkaufte der Kanton das Gebäude an ein Investorenkonsortium, das eine Wintersport-Akademie plante. Das Projekt scheiterte: Die Trägergesellschaft ist seit Juli 2025 in Liquidation, das Gebäude wurde zur Versteigerung für rund 2,4 Millionen Franken ausgeschrieben und bleibt bis heute ungenutzt.
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2. Wallis: Hotel Belvédère an der Furka, die Kurve aus James Bond

Foto: LIU Xiao, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Das Hotel Belvédère ist ein verlassenes Berghotel am Furkapass im Wallis, erbaut 1882 und seit 2015 geschlossen, weltbekannt aus dem James-Bond-Film Goldfinger.
In einer Haarnadelkurve der Furkapassstrasse, auf 2.200 Metern an der Grenze zwischen Wallis und Uri, klebt das Hotel Belvédère an der Felswand. Josef Seiler baute hier 1882 eine Berghütte, die ab 1890 zum vollwertigen Hotel ausgebaut wurde. Direkt nebenan liegt die Eisgrotte des Rhonegletschers, das eigentliche Verkaufsargument des Hauses.
Weltberühmt wurde die Kurve 1964: In Goldfinger jagt James Bond im Aston Martin DB5 genau hier die Passstrasse hinauf. Doch der Belvédère-Standort hatte zwei Feinde. Der Rhonegletscher zog sich Jahr für Jahr zurück, die berühmte Eisgrotte schrumpfte. Und der 1982 eröffnete Furka-Basistunnel leitete den Verkehr unter dem Pass hindurch, sodass die Passstrasse an Bedeutung verlor. Nach einer ersten Schliessung 1980 und einer Wiedereröffnung durch die Familie Carlen 1990 kam 2015 das endgültige Aus. Seither ist das Hotel geschlossen, das markante gelbe Gebäude steht leer und gilt als eines der meistfotografierten Motive der Alpen.
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3. Aargau: Schloss Brestenberg am Hallwilersee

Foto: Alexey M., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Schloss Brestenberg ist ein leerstehendes Barockschloss am Hallwilersee im Aargau, 1625 erbaut und seit Mitte des 20. Jahrhunderts ohne dauerhafte Nutzung.
Am Westufer des Hallwilersees, in der Gemeinde Seengen, steht ein Barockschloss, das seit Jahrzehnten auf eine neue Nutzung wartet: Schloss Brestenberg. 1622 verkaufte Dekan Samuel Gruner das Gut für 4.500 Gulden an Hans Rudolf von Hallwyl, der es 1625 als barocke Landresidenz neu aufbauen liess. Den eigentlichen Ruhm brachte das 19. Jahrhundert: 1844 wandelte Adolf Erismann den Bau in eine Wasserheilanstalt um, die als Kurbetrieb am See europaweit Gäste anzog.
Nach dem Ende der Kur diente Brestenberg bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Hotel. Dann kam der lange Leerstand. Der Sammler Bruno Stefanini kaufte das Anwesen, das daraufhin jahrzehntelang stagnierte. Heute gehört es der Stiftung SKKG, die über die Zukunft nachdenkt und schrittweise Zwischennutzungen einführt. Das Schloss ist weder abgerissen noch grundlegend saniert, der Zutritt ist nicht öffentlich. Es bleibt einer der eindrücklichsten Dornröschen-Bauten des Mittellandes.
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4. Waadt: Sanatorium des Chamois in Leysin

Foto: Werner Friedli, ETH-Bibliothek Zürich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Das Sanatorium des Chamois ist ein verlassenes Tuberkulose-Sanatorium über Leysin in der Waadt, 1903 erbaut und seit 2002 leer.
Leysin in der Waadt war einmal die Welthauptstadt der Tuberkulose-Kur. Der Arzt Auguste Rollier eröffnete hier 1903 seine erste Klinik für Heliotherapie, die Behandlung der Knochentuberkulose mit Sonnenlicht. Im selben Jahr entstand oberhalb des Dorfes das Gebäude, das heute als Sanatorium des Chamois (ursprünglich Hôtel des Chamois) bekannt ist. Von 1956 bis 1967 beherbergte es einen Club Med, danach diente es als Jugendherberge und Ferienkolonie.
Seit 2002 steht der Bau leer und gilt als architektonische Ruine, einsam in der Landschaft über dem Rhonetal. Ein 2016 angekündigtes Projekt, das Gebäude in ein gehobenes Hotel zu verwandeln, wurde nie umgesetzt. Berichte aus den Jahren 2021 bis 2023 beschreiben fortschreitenden Verfall und Einsturzgefahr; ein Architektur-Diplomprojekt der EPFL schlug eine Sanierung vor, die nicht angegangen wurde. Nicht zu verwechseln ist der Bau mit den vielen anderen ehemaligen Sanatorien Leysins, die längst zu Schulen und Wohnungen umgebaut wurden.
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5. Graubünden: Büvetta Tarasp, die letzte Trinkhalle des Engadins

Foto: Archipat, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Die Büvetta Tarasp ist eine verlassene Trinkhalle in Tarasp bei Scuol in Graubünden, 1874 bis 1876 erbaut und seit Ende der 1970er Jahre geschlossen.
In Tarasp, in der Gemeinde Scuol im Unterengadin, steht der eleganteste verlassene Ort Graubündens: die Büvetta Tarasp, eine Trinkhalle aus der Glanzzeit des Schweizer Bäderwesens. Zwischen 1874 und 1876 baute der Architekt Bernhard Simon einen achteckigen Rundbau, der drei Mineralquellen überdachte: Bonifacius, Emerita und Lucius. Kurgäste aus ganz Europa tranken hier das eisenhaltige Wasser, das Tarasp im 19. Jahrhundert berühmt machte.
Mit dem Ende des Kurbetriebs Ende der 1970er Jahre schloss die Büvetta, seit 2006 ist sie wegen Steinschlaggefahr für die Öffentlichkeit gesperrt. Sie ist die letzte erhaltene Trinkhalle dieser Art in der Schweiz und steht als Kulturdenkmal der Kategorie A unter Schutz. Anders als die meisten Lost Places hat dieser Ort eine Zukunft: Die Bevölkerung von Scuol hat einen Kredit von 3,7 Millionen Franken für eine Restaurierung bewilligt, mit Blick auf das 150-Jahre-Jubiläum. Noch aber ist die Büvetta eine stille, verlassene Schönheit.
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6. Freiburg: Préventorium Le Rosaire in den Sciernes-d'Albeuve

Foto: Roland Zumbühl, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.
Das Préventorium Le Rosaire ist ein verlassenes Art-déco-Sanatorium über Albeuve im Kanton Freiburg, in den 1930er Jahren erbaut und seit den 1990er Jahren ungenutzt.
Mitten im Wald über den Sciernes-d'Albeuve, in der Gemeinde Haut-Intyamon im Greyerzbezirk, steht ein grosses Art-déco-Gebäude, das die Westschweizer Urbex-Szene seit Jahren anzieht: das Préventorium Le Rosaire. Errichtet in den 1930er Jahren von der Société des Sanatoria fribourgeois, diente der Bau mit rund hundert Betten als Präventorium für tuberkulosegefährdete junge Mädchen, geführt vom Orden des Rosenkranzes.
Nach der Aufgabe wurde das Gebäude in den 1990er Jahren von einer Freiburger Familie gekauft; Wasser und Strom sind seit langem abgestellt. Die rote Fassade und die Art-déco-Treppenhäuser machten es zu einer Kulisse, unter anderem für die Krimiserie Anomalia. Ein Promotor versuchte, den Bau als Alpin-Spa-Resort wiederzubeleben, das Vorhaben blieb ein Konzept ohne Finanzierung. Bis heute steht Le Rosaire leer, weder saniert noch abgerissen. In der Community kursiert der Spitzname Sanatorium Fromage; belegt ist er nicht, und der dokumentierte Name lautet Le Rosaire.
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7. Bern: Psychiatrieklinik in der Abtei Bellelay

Foto: Lutz Fischer-Lamprecht, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Die Abtei Bellelay ist eine Prämonstratenser-Abtei im Berner Jura, die bis Ende 2021 eine Psychiatrieklinik beherbergte; ihre Spitalflügel stehen seither leer.
Im Berner Jura, in der Gemeinde Saicourt, steht eine prächtige Prämonstratenser-Abtei aus dem 12. Jahrhundert, die über ein Jahrhundert lang eine Psychiatrieklinik beherbergte: die Abtei Bellelay. 1899 wurde im ehemaligen Kloster eine psychiatrische Anstalt für rund 260 Patienten eröffnet. Um 1920 war sie mit über 340 Patienten überbelegt, mit Wassermangel und Typhus-Ausbrüchen.
Ende 2021 verliess die stationäre Psychiatrie Bellelay und zog nach Moutier; die dicken Klostermauern liessen sich nicht wirtschaftlich heizen. Seither stehen die Spitalflügel leer und warten auf eine Umnutzung. Der Kanton Bern und der Verein Jura bernois.Bienne planen einen Raum der Sinne und des Austauschs, eine Genossenschaft soll die Gebäude ab etwa 2028 übernehmen. Die Abteikirche selbst bleibt ein besuchbares Denkmal, doch die verlassenen Krankenflügel sind das, was die Urbex-Szene anzieht.
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8. Solothurn: Cellulosefabrik Attisholz, die grösste Industriebrache der Schweiz

Foto: Traton, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Das Areal Attisholz ist eine stillgelegte Cellulosefabrik an der Aare bei Riedholz im Kanton Solothurn, 1881 gegründet und 2008 geschlossen, lange die grösste Industriebrache der Schweiz.
An der Aare bei Riedholz, wenige Kilometer vor Solothurn, liegt die einst grösste Industriebrache der Schweiz: das Areal Attisholz. 1881 gründete Benjamin Sieber hier die Cellulosefabrik Attisholz, die einzige ihrer Art im Land. Ab 1914 kam die Produktion von Ethanol dazu, das Werk wuchs über mehr als ein Jahrhundert zu einem riesigen Komplex aus Backsteinhallen, Tanks und Rohrbrücken.
2008 schloss der Eigentümer Borregaard das Werk. Die gewaltigen leeren Hallen wurden zur Ikone der Schweizer Urbex-Szene und zur Kulisse für Partys, Filmdrehs und Fotografie. Heute ist das Areal in Bewegung: Im Süden produziert seit 2016 ein Biogen-Werk, der Norden wird über zwei bis drei Jahrzehnte zu einem neuen Quartier umgebaut, mit Zwischennutzungen in den alten Hallen. Ein vollständig eingefrorener Lost Place ist Attisholz darum nicht mehr, aber grosse Teile stehen weiter als rohe Industriekathedrale.
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9. Zürich: der alte Bahnhof Buchs an der stillgelegten Bülach-Baden-Bahn

Foto: Arnd Hennemeyer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Der alte Bahnhof Buchs ist ein 1876/77 erbautes Bahnhofsgebäude an der stillgelegten Bülach-Baden-Bahn im Kanton Zürich; der Verkehr endete 1937 beziehungsweise 1969.
Im Zürcher Unterland, an der Dielsdorferstrasse in Buchs, steht ein hölzernes Bahnhofsgebäude weit weg von jedem Gleis: der alte Bahnhof Buchs an der Bülach-Baden-Bahn. Die Strecke wurde am 1. Oktober 1877 als rund 19 Kilometer lange Normalspurlinie eröffnet, das Bahnhofsgebäude entstand 1876/77 mit verspielten Holzornamenten und weit auskragendem Dach.
Die Linie hatte starke Steigungen und verlor früh ihre Bedeutung. Am 18. Januar 1937 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 6. März 1969 folgte die vollständige Stilllegung, kurz darauf wurden die Gleise abgebaut. Das Bahnhofsgebäude aber blieb stehen, einsam zwischen Feldern und Wohnhäusern, zusammen mit dem alten Bahnwärterhaus. Die Presse führt es als denkmalgeschützten Lost Place: einen Geisterbahnhof ohne Bahn, ein stilles Relikt der frühen Schweizer Eisenbahngeschichte.
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10. Bern: Munitionslager Mitholz, der gefährlichste Ort der Liste

Foto: Draemmli (Roland Rytz), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Das Munitionslager Mitholz ist ein ehemaliges, 1947 explodiertes Munitionsdepot in Kandergrund im Kanton Bern; das Gebiet ist militärisches Sperrgebiet und wird bis in die 2040er Jahre geräumt.
Im Kandertal, in der Gemeinde Kandergrund, liegt ein Ort, den man nicht betreten darf und der genau deshalb auf diese Liste gehört: das ehemalige Munitionslager Mitholz. Im Zweiten Weltkrieg baute die Armee hier ein unterirdisches Munitionsdepot in den Berg. Im Dezember 1947 kam es zu einer Reihe von Explosionen, die das Lager und einen Teil des Dorfes zerstörten.
In den eingestürzten Stollen liegen bis heute bis zu 3.500 Tonnen Munitionsrückstände. Seit Sommer 2024 läuft die teilweise Evakuierung des Dorfes, der Bund plant eine vollständige Räumung, die sich nach offiziellem Kalender bis in die 2040er Jahre zieht. Mitholz ist militärisches Sperrgebiet, lebensgefährlich und streng bewacht. Hier gilt: ansehen aus der Distanz, niemals betreten.
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Schweizer Lost Places im Überblick
| Nr | Ort | Kanton | Typ | Gebaut | Geschlossen | Status 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sanatorio del Gottardo | Tessin | Sanatorium | 1903-1905 | 1962 | verlassen, in Versteigerung |
| 2 | Hotel Belvédère Furka | Wallis | Berghotel | 1882 | 2015 | verlassen |
| 3 | Schloss Brestenberg | Aargau | Schloss | 1625 | Mitte 20. Jh. | leer, Stiftung SKKG |
| 4 | Sanatorium des Chamois | Waadt | Sanatorium | 1903 | 2002 | verlassen, Einsturzgefahr |
| 5 | Büvetta Tarasp | Graubünden | Trinkhalle | 1874-1876 | Ende 1970er | gesperrt, Restaurierung geplant |
| 6 | Préventorium Le Rosaire | Freiburg | Präventorium | 1930er | 1990er | verlassen |
| 7 | Klinik Bellelay | Bern | Psychiatrie | Kloster, Klinik 1899 | 2021 | Flügel leer, Umnutzung ab 2028 |
| 8 | Areal Attisholz | Solothurn | Industrie | 1881 | 2008 | Brache in Umbau |
| 9 | Alter Bahnhof Buchs | Zürich | Bahnhof | 1876/77 | 1937/1969 | denkmalgeschützt, ohne Gleis |
| 10 | Munitionslager Mitholz | Bern | Militär | 2. Weltkrieg | 1947 (Explosion) | Sperrgebiet, Räumung bis 2040er |
Lost Places nach Kanton im Detail
Zu mehreren Kantonen haben wir eigene Dossiers mit weiteren verlassenen Orten:
- ●Lost Places im Tessin
- ●Lost Places im Kanton Bern
- ●Lost Places im Aargau
- ●Lost Places in Graubünden
- ●Lieux abandonnés in der Waadt
Was sind die bekanntesten Lost Places der Schweiz?
Zu den bekanntesten verlassenen Orten der Schweiz zählen das Sanatorio del Gottardo im Tessin, das Hotel Belvédère an der Furka, das Sanatorium des Chamois in Leysin, die Büvetta Tarasp in Graubünden und die Cellulosefabrik Attisholz im Kanton Solothurn. Alle zehn Orte dieser Liste stehen 2026 noch und sind auf unserer Schweizer Urbex-Karte verzeichnet.
Ist Urbex in der Schweiz legal?
Das blosse Betrachten und Fotografieren von aussen ist erlaubt. Das Betreten eines fremden Grundstücks oder Gebäudes erfüllt jedoch den Tatbestand des Hausfriedensbruchs nach Artikel 186 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs, sobald der Ort eingezäunt oder als Privatbesitz gekennzeichnet ist. Wir raten ausdrücklich davon ab, einzubrechen oder Absperrungen zu überwinden. Verlassen heisst nicht herrenlos.
Sind verlassene Orte in der Schweiz gefährlich?
Ja. Einsturzgefährdete Böden, Asbest in alten Sanatorien und Fabriken, offene Liftschächte und Steinschlag sind reale Risiken. Der gefährlichste Ort dieser Liste, das Munitionslager Mitholz, ist militärisches Sperrgebiet und darf unter keinen Umständen betreten werden. Festes Schuhwerk, Taschenlampe und im Zweifel eine Atemschutzmaske gehören zur Grundausrüstung.
Wo finde ich gratis GPS-Koordinaten von verlassenen Orten?
Unter jedem der zehn Orte in diesem Artikel liegt ein Gratis-Spot mit einem Knopf Zur Karte hinzufügen, der die Koordinaten ohne Kreditkarte in dein Profil legt. Die vollständige Schweizer Lost-Places-Karte umfasst 1.883 geolokalisierte Standorte.
Welche Kantone haben die meisten Lost Places?
In unserer Datenbank führt das Tessin mit 791 Standorten deutlich, gefolgt vom Wallis (131), Bern (115), Zürich (87), Aargau (81) und der Waadt (77). Insgesamt sind 1.883 Schweizer Spots verzeichnet.
Wann ist die beste Zeit für Urbex in der Schweiz?
In den Alpen ist der Sommer ideal, weil viele Höhenstandorte wie die Furka oder das Sanatorio del Gottardo im Winter unter Schnee liegen und die Passstrassen gesperrt sind. Im Mittelland und im Jura ist Urbex ganzjährig möglich, wobei Frühling und Herbst das beste Licht für Fotografie bieten.
Darf man das Munitionslager Mitholz besichtigen?
Nein. Mitholz ist militärisches Sperrgebiet mit rund 3.500 Tonnen Munitionsrückständen im Berg. Das Gebiet wird seit 2024 evakuiert und bis in die 2040er Jahre geräumt. Eine Besichtigung ist verboten und lebensgefährlich.
Wie kann ich zur Karte beitragen?
Wer einen verlassenen Ort kennt, kann ihn über unsere Plattform melden. Jede Koordinate wird von der Community und einer regionalen Moderation geprüft, bevor sie auf der Karte erscheint. So bleibt der Bestand aktuell und zuverlässig.
Fazit: ein Land, das seine Ruinen versteckt
Die Schweizer Lost Places erzählen drei grosse Geschichten. Die erste ist die der Tuberkulose: Vor den Antibiotika war die Höhenkur die einzige Hoffnung, und Orte wie Leysin, der Gotthard oder die Greyerzer Berge füllten sich mit Sanatorien, die nach 1950 schlagartig nutzlos wurden. Die zweite ist die der Berghotels und Kurbäder, die der Tunnelbau und der Wandel des Tourismus vom Verkehr abschnitten, von der Furka bis nach Tarasp. Die dritte ist die militärische und industrielle, von Mitholz bis Attisholz, wo Krieg und Strukturwandel ganze Anlagen zurückliessen.
Diese Orte sind keine Kulissen, sondern Geschichtsbücher unter freiem Himmel. Wer sie besucht, tut das mit Respekt: nichts mitnehmen, nichts beschädigen, kein fremdes Grundstück betreten. Die schönste Art, die verlassene Schweiz zu entdecken, beginnt mit einem Blick auf die Karte. Die vollständige Übersicht mit allen 1.883 Standorten findest du auf unserer Karte der Lost Places in der Schweiz.
